Infotext
Bauherr: Landratsamt Rastatt, Amt für Gebäudewirtschaft und Kreisschulen
Bauzeit: Juli 2015 – Februar 2016
Bausumme: 1,85 mio. €

Die Anne-Frank-Schule ist eine berufliche Schule des Landkreises Rastatt mit derzeit ca. 700 Schülerinnen und Schülern.

Sie wurde in den 70er-Jahren errichtet und wird nun erweitert und teilsaniert:
1. Der nördliche Gebäudeteil wird aufgestockt (Mehrzweckraum)
2. Im Haupttreppenhaus wird ein Aufzug eingebaut
3. Der Sanitärkern beim Haupttreppenhaus wird saniert
Zudem erhält der Hauptzugang im Außenbereich eine Rampe, um die Barrierefreiheit herzustellen.

Lage und Stadtraum
Die Anne-Frank-Schule liegt zentrumsnah ca. 100 m westlich der Murg in einer Entfernung von ca. 1 km nordwestlich des Marktplatzes der Barockstadt Rastatt. Das Grundstück liegt in einem Wohngebiet in der Nähe der Hauptfeuerwache.
Der Hauptzugang liegt an der Wilhelm-Busch-Straße und ist nach Süden orientiert.
An der linken Grundstücksgrenze liegt die Eschenstraße, von der aus die Schulparkplätze angefahren werden.
Rechts neben dem Schulgebäude liegt die Schulsporthalle als separater Baukörper.

Bestand
Das Gebäude wurde in 2 Bauabschnitten als vorwiegend dreigeschossiger, unterkellerter Flachbau in Split-Level-Bauweise mit einer Brutto-Grundfläche von ca. 8.000 qm errichtet. Es besteht aus drei Bauteilen, die jeweils im rechten Winkel zueinander stehen.
- Bauteil A: Hauptbau parallel zur Wilhelm-Busch-Straße
- Bauteil B: Zwischenbau senkrecht zur Wilhelm-Busch-Straße in Richtung Norden
- Bauteil C: Hinterer Längsbau Senkrecht zum Zwischenbau
Bauteil A+B wurden Anfang der 70er-Jahre errichtet – Bauteil C Anfang der 80er-Jahre
Das Tragwerk besteht aus einer Stahlbeton-Massiv-Konstruktion in Skelettbauweise.
Die Decken sind Rippendecken.
Die Fassade ist mit Stahlbeton-Fertigteilen bekleidet.

Erweiterungs- und Sanierungskonzept
Der Mehrzweckraum wird auf dem Bauteil C errichtet. Er dient als Mensaraum sowie für Veranstaltungen der Schule mit loser Reihen- oder Tischbestuhlung. Die Nutzerzahl wird dabei auf 300 Personen beschränkt.
Für den Mensabetrieb wird ein Ausgabe- und Spülbereich eingerichtet.
Es wird nicht gekocht - die Essen werden fertig angeliefert und ggf. aufgewärmt.
Für das Mensapersonal wird ein Umkleideraum hergestellt.
Organisatorisch wird sichergestellt, dass eine zeitlich getrennte Nutzung durch männliche und weibliche Beschäftigte erfolgt gemäß ASR A4.1 Nr. 4 Abs. (6).
Am Mensaraum angegliedert ist eine Terrasse, deren Belag konstruktionsbedingt höher liegt als der Boden des Mensaraums und über 2 Stufen erreichbar ist.
Zum Mensaraum gehört ein Vorraum, der als Schülerarbeits- und Aufenthaltsbereich dient.

Im Treppenauge des Haupttreppenhauses in Bauteil A wird ein Personenaufzug mit einer Kabinengrundfläche von 2,1 x 1,4 m eingebaut, mit dem auch das angelieferte Essen für die Mensa transportiert wird.
Der Aufzug erschließt alle Ebenen des Gebäudes und gewährleistet den barrierefreien Zugang
zur Mensa.
Zudem wird im Außenbereich am Haupteingang in der Wilhelm-Busch-Straße eine Rampe
hergestellt, um auch den barrierefreien Zugang zum Gebäude zu ermöglichen.

Der Sanitärräume am Haupttreppenhaus werden saniert und an den Stand der Technik
angepasst. Im 3. OG (Mensa) wird zudem ein Behinderten-WC erstellt.


Farben und Materialien außen:
Das vorhandene Erscheinungsbild der Schule bleibt erhalten.
Der Anbau erhält eine hinterlüftete Fassade mit roten HPL-Platten und setzt sich damit als farbiger Akzent vom Bestand ab.

Die Konstruktion folgt dem Prinzip Offenheit. Die Außenwände des in Stahlbeton-Skelettbauweise errichteten Gebäudes sind als Lochfassaden gestaltet. Ausnahmen bilden die beiden Treppenhäuser, die als durchgehende Glasfassade ausgeführt sind. In den Obergeschossen werden die Außenwände mit hinterlüfteten Fassadenplatten verkleidet, während die Erdgeschoss-Fassade als Putzfassade konzipiert ist. Die komplette Gebäudehülle entspricht dem Passivhausstandard.

Innerhalb der Schulgebäude erleichtern eine klare Wegführung sowie ein durchdachtes und konsequent angewandtes Farbkonzept die Orientierung. Für Raum und Transparenz indessen sorgen in verglasten Hallen angeordnete, breite Freitreppen, die die einzelnen Geschosse miteinander verbinden. Im Erdgeschoss des Verbindungsflügels befindet sich das Herzstück der Lehreinrichtung: die Aula. Zentral gelegen, kann sie zusammen mit den ihr zugeordneten Freiflächen für gemeinsame wie auch außerschulische Veranstaltungen genutzt werden. Auch Multifunktionalität ist ein Thema. Die Bauformen sind so angeordnet, dass die Klassenräume mehreren Ansprüchen gerecht und durch getrennte Erschließung verschiedenen Nutzungszwecken zugeführt werden können.

Klare Strukturen finden sich auch im Außenbereich. So ermöglicht der großzügig angelegte, terrassenartige Eingangsbereich einen jeweils separaten Zugang zu beiden Schulen und mündet zentral in den rechteckig ausgebildeten Campus, der als Atrium das Zentrum der Freiflächen darstellt. Schüler wie Lehrkräfte werden gleichermaßen von dem weitläufigen, den Schulkomplex umgebenden Gelände zum Erholen und Austauschen, aber auch zu Sport und Unterricht im Freien eingeladen. Dass Energie kein großer Kostenfaktor sein muss, beweist ein innovatives Energiekonzept, das durch eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung passive Energiequellen wie Sonneneinstrahlung und Wärmeabgabe von Personen und Geräten nutzt und eine separate Heizung damit überflüssig macht. Qualitätsanforderungen an Luftdichtheit, Wärmeschutz und Anlageneffizienz sorgen für eine hohe Energieeinsparung und damit auch für eine dementsprechend langfristige Rentabilität für den Bauherrn.

Primärenergiebedarf: ca. 55 kWh / m²
Heizwärmebedarf: ca. 15 kWh / m² (jeweils pro m² NGF a)

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